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„Ich mache das der Menschen wegen“

Im Portrait: Der Haßlocher Helmut Scheurer und seine vielen Ehrenämter im Fußball – In drei Jahren soll Schluss sein! „Das war mir gerade recht.“ Helmut Scheurer, Pressewart des VfB Haßloch, lacht, als er erzählt, dass er gerade einmal 300 bis 400 Meter vom VfB-Vereinsgelände entfernt wohnt. Von 1985 bis 2008 war er Stadionsprecher bei Spielen am Eichelgarten, von 1993 bis 2007 Spielleiter der Ersten und Zweiten Mannschaft. „Meist gehe ich zu Fuß hin – bis ich’s Rad rausgeholt habe, da laufe ich lieber die paar Meter.“


Quelle: Die Rheinpfalz, 02.08.2017, Von Sabine Dean


Er sei aber nur zwei- bis dreimal pro Woche am Eichelgarten. „Ich habe ja auch noch andere Sachen, nicht nur den VfB“, betont Scheurer, der im August 73 Jahre alt wird. Hinter diesen anderen Sachen verbirgt sich auch Fußball: Der 72-Jährige ist Staffelleiter der C-Klasse West sowie der B-Klasse Süd. Zudem ist er stellvertretender Staffelleiter der C-Klasse Süd sowie der A-Klasse. Bei all den vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten ist der Tagesablauf Scheurers genau geregelt, obwohl er längst Rentner ist. „Morgens nach dem Frühstück geht’s an den Computer. Dann noch mal abends, vor allem zur Zeit wegen der Freundschaftsspiele“, erzählt der Haßlocher. Bisweilen klingelt bei den Scheurers daheim morgens um acht Uhr schon das Telefon. „Die Leute wollen ein Spiel verlegen, aber sie wissen ja, dass sie erst mit dem Gegner reden müssen“, berichtet der Fußball-Funktionär aus seinem Alltag. „Oder sie wollen wissen, wie lange ein Spieler gesperrt wird.“ Denn Helmut Scheurer darf in seiner Funktion als Staffelleiter nach Platzverweisen für Fußballer über Sperren von bis zu sechs Wochen selbst entscheiden. „Alles, was darüber hinausgeht, entscheidet die Spruchkammer Vorderpfalz.“ Die höchste Strafe, die er jemals vergeben habe, seien tatsächlich sechs Wochen Sperre gewesen, „weil ein Fußballer einen anderen geschlagen hat“. Einmal habe er einem Kicker eine vierwöchige „Pause“ verordnet, nachdem dieser den Schiedsrichter übel beleidigt habe. Scheurer schüttelt deswegen noch heute den Kopf: „Das geht einfach nicht.“


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Helmut Scheurer


Die einzelnen Fußballstaffeln muss er nicht selbst einteilen, „die kriege ich geliefert“ – vom Fußball-Kreisvorsitzende Klaus Karl und Ottmar Fischer (Hanhofen), Beisitzer im Kreisausschuss. Bei den Vorrunden-Besprechungen muss er mit den Vereinen dann Termine absprechen, nach Wunsch der Vereine Spiele verlegen.

Bei diesen Besprechungen wird auch das Thema Karten angesprochen. In der Hinrunde war er noch mit der Anzahl der von den Schiedsrichtern gezückten Gelben und Roten Karten wenig zufrieden. Nachdem er die Vereine vor Beginn der Rückrunde darauf angesprochen habe, sei er nun zufrieden. „Das hat gefruchtet“, betont er und verweist auf die Zahlen: In der B-Klasse West waren es in der Vorrunde 453 Gelbe Karten, in der Rückrunde nur noch 342. Ähnliches bei den Gelb-Roten sowie Roten Karten: 24/11 beziehungsweise 14/11.

Ein gern gesehener Gast ist Helmut Scheurer auch bei den Zweitliga-Fußballerinnen des 1. FFC Niederkirchen. Dort ist er für die Platzkommission zuständig. „Wenn ich drüben war, haben die noch nie verloren“, verrät der Haßlocher schmunzelnd.

In drei Jahren übrigens ist Schluss mit den Fußball-Jobs, betont der fast 73-Jährige. Und was er dann in drei Jahren mit seiner vielen Freizeit mache, „das frage ich mich auch“, sagt Helmut Scheurer und lacht.

Dabei ist er schon jetzt auch außerhalb des Fußballplatzes beschäftigt. „Ich mache das Sportabzeichen“, berichtet er. „Ich sollte dort auch als Prüfer helfen, aber das wird mir zu viel.“ Mittwochs nach dem Sportabzeichen-Training trainiert er noch bei der VfB-AH. Dort sei er der Älteste, „der auf dem Platz rumrennt. Danach bin ich kaputt“. Einmal im Jahr geht er dem VfB fremd: Zur Saisoneröffnung beim VfB tritt er in der AH des SV Geinsheim an. „Da spiele ich schon seit sieben, acht Jahren mit“, erzählt Scheurer, der mit dem Geinsheimer Robert Nebel, Ende der 1970er-Jahre Stürmer des SVG, befreundet ist.

Fit hält sich Scheurer auch beim Radfahren. „Ich habe da eine Zwölf-Kilometer-Runde – manchmal fahre ich die zweimal am Tag.“ Mit Erfolg, wie er feststellt: „Ich habe super Blutzuckerwerte.“


Der Haßlocher ist zudem Mitglied der Radborzler, die am Winzerumzug in Neustadt, am Sommertagumzug in Haßloch und bisweilen noch an dem einen oder anderen Kerweumzug teilnehmen „und Gutsel an die Kinder verteilen“. Und er singt bei der Marinekameradschaft im Shantychor.

Noch aber genießt der Haßlocher seine ehrenamtlichen Jobs. „Ich mache das der Menschen wegen. Und ich bewundere diejenigen, die schon lange in einem Verein Vorstand oder Spielleiter sind.“ Noch wird er seine Frau Margit, mit der er 2018 50 Jahre verheiratet sein wird und die nie mit zu seinen Fußball-Terminen kommt, bisweilen überraschen. „Ich habe die komische Angewohnheit, ihr immer erst kurz vor Toresschluss zu sagen, dass ich jetzt da und dorthin gehen muss“, gesteht Scheurer und lacht.


Quelle: Die Rheinpfalz, 02.08.2017, Von Sabine Dean