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Fritz Walter war von unvergleichlicher Größe
Von Heinrich Breyer
Als Mannschaftsspieler der Beste von allen.
Die Südwestfußballer nahmen Abschied von Fritz Walter. Die meisten verfolgten teilnahmsvoll die bewegende Feier auf dem Bildschirm. Viele aber befanden sich selbst in diesem Stadion, das seinen Namen trägt. Als diese Anlage auf dem Betzenberg im Vergleich zu heute noch von unscheinbarer Gestalt war, trugen die Anhänger das 17jährige Fußballtalent erstmals auf den Schultern vom Platz. Jetzt trugen ihn seine Verehrer symbolisch zum letzten Male hinaus. Auf den Platz ohne Wiederkehr!
Fritz Walter hat im Verlauf seines Lebens dem 1. FC Kaiserslautern als Fußkünstler und als Mensch zu einer zeitlosen, weitreichenden Popularität verholfen. Er hat in ganz Deutschland nach dem verlorenen Krieg eine neue, friedliche - jawohl: eine friedliche Form der Begeisterung entfacht! Und er hat auch, dank seiner unvergleichlichen Art, Fußball zur Kunst erhoben. Seine Persönlichkeit trug außerdem wesentlich zum Zusammenwachsen des künstlichen Gebildes Rheinland-Pfalz bei: Die Fußballfreunde in der Eifel und im Westerwald freuten sich mit gleichem Stolz am Wirbelspiel der „Walter-Elf“ wie die Pfälzer oder Rheinhessen
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Fritz Walter dirigierte meisterhaft
Der Südwestdeutsche Fußballverband besaß, noch ehe er überhaupt seine Konturen gefunden hatte, eine wunderbare Auswahlelf. Diese Mannschaft hieß zwar Pfalz, aber in ihr wirkten neben sieben „Roten Teufeln“ und dem Pirmasenser Hermann Laag auch drei Wormser mit. Niemand störte dies. Im Gegenteil - diese „Pfalzelf“ sorgte im damaligen Länderpokal sensationell für Furore und für die erste große Reputation des eben gegründeten SWFV beim DFB. Der Südwesten galt etwas! Fritz Walter dirigierte meisterhaft diese Mannschaft, von der Bundestrainer Sepp Herberger anerkennend feststellte, sie habe Länderspielformat.
Zusammen mit dem damals 36jährigen Eugen Müller hatte Fritz Walter diese „Traumelf“, von der heute noch die „ganz Alten“ schwärmen, zusammen gebastelt. Seit dieser Zeit bestand zwischen Fritz Walter und dem SWFV eine enge Bindung, ja Freundschaft.
Weil der Betzenberg in der Hoch-Zeit der „Walter-Elf“ längst nicht so attraktiv war wie heute, erkor der 1. FCK das Südwest-Stadion in Ludwigshafen zur zweiten Heimat, zum Schauplatz seiner Endrundenspiele.
Kein Selbstdarsteller
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Die Zuschauer strömten. Viele von ihnen kamen ausschließlich wegen Fritz Walter, wegen seiner Technik, seiner Eleganz, seiner Spielgestaltung. Dabei war er - im Gegensatz zu vielen anderen, heutigen „Größen“ - kein Selbstdarsteller: Alle seine fußballerischen Fähigkeiten, die er überreichlich besaß, stellte er in den Dienst der Mannschaft, ordnete sie in das gemeinsame Spiel ein, ja so unter. Er umspielte auf engstem Raum und bei hohem Tempo drei Gegenspieler - aber nur, wenn ihn die Lage dazu zwang, wenn er Gegner auf sich ziehen wollte, um eigene Nebenleute frei zu spielen. Er hielt es eher mit Herberger, der meinte, der Ball sei der schnellste Mitspieler.
Fußball, pflegte Fritz Walter später bei seinen Vorträgen etwa in Justizvollzugsanstalten vor den andächtig lauschenden Zuhörern zu dozieren, - Fußball ist ein Mannschaftsspiel. Nur wenn alle elf, auch der Torhüter, sich in die spielerische Einheit einfügen, kann sich ein erfolgreiches Team entwickeln.
In der Tat: Wo immer auch Fritz Walter mit Herz mitspielte, bildete sich eine erfolgreiche Mannschaft!
Das war schon bei der Soldatenelf „Rote Jäger“ im Krieg der Fall, später bei der erwähnten Pfalz-Auswahl, bei den zwei „Walter-Elfs“ in den Meisterjahren 1951 und 1953 des 1. FCK und natürlich bei der Weltmeisterschaftmannschaft von 1954.
Als Fritz Walter schon ein paar Jahre die Fußballschuhe an den Nagel gehängt hatte, diskutierten nach einem Treffen in Kaiserslautern ehemalige Nationalspieler über die Frage: „Wer war der beste Fußballspieler aller Zeiten?“ Fritz Walter war nicht dabei, aber Uwe Seeler, Horst Eckel, Karl Schmidt, Hans Schäfer und auch Herbert Burdenski. Da schwirrten illustre Namen durch den Raum: Santa-maria, Di Stefano, Pele, Beckenbauer, Puskas - allesamt wurden sie von den Nationalspielern als „sehr gut“, aber eben nicht gut genug eingeschätzt: „Zu viel Einzelspieler“. Allenfalls Di Stefano fand Gnade. Doch dann einigte sich dieser kompetente Kreis auf einen Mann, weil er bei etwa „gleicher technischer Qualität“ der mit Abstand „stärkste Mannschaftsspieler“ sei: Fritz Walter!
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!
Wissenswertes um Fritz Walter
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Geboren |
31. Oktober 1920 in Kaiserslautern |
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Gestorben |
17. Juni 2002 in Enkenbach-Alsenborn |
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Verheiratet |
Seit Oktober 1948 verheiratet mit Italia, geb. Bortoluzzi (gest. Dezember 2001). Keine Kinder. |
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Erlernter Beruf |
Bankkaufmann |
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Verein |
1. FC Kaiserslautern seit 1928; Spieler nur in diesem Verein. Mit 17 in der „Ersten“ Mannschaft, 1938 drei Tore beim entscheidenden 5:3-Sieg um den Aufstieg. 1. FCK seit dieser Zeit bis 1996 immer in oberster Klasse. |
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Erfolge |
384 Spiele (ohne Jugend) für 1. FCK, 327 Tore. Elfmal Südwestmeister, zweimal Deutscher Meister (1951, 1953), noch dreimal DM-Final-Teilnahme, Weltmeister 1954, WM-Vierter 1958. Länderspiele: 61, davon 24 während des Krieges, 37 von 1951 bis 1958. Länderspieltore: 33 - er ist damit der erfolgreichste Mittelfeldspieler der deutschen Nationalelf. Alle vor ihm liegende Tor-jäger waren/sind typische Stürmer (Spitzen). Etwa Gerd Müller (68), Rummenigge (45), Uwe Seeler (43), Völler (40). |
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Auszeichnungen |
Dreimal Silbernes Lorbeerblatt, Goldene Länder-spielnadel des DFB, Verdienstorden des Welt-fußballverbandes (FIFA), Ehrenspielführer der Nationalelf und des 1. FC Kaiserslautern , Ehren-mitglied des SWFV, Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, Ehrenbürger der Stadt Kaiserslautern und erster Ehrenbürger des Landes Rheinland-Pfalz. |









